
Den Deutschen ist wichtig, dass ihr Garten schön aussieht. Für besondere Pflanzen geben sie oft beachtliche Summen aus, legen gerne selbst Hand an und besitzen meist ein ganzes Arsenal an Gartengeräten. Akkurat soll der Garten sein, damit die Nachbarn zufrieden nicken. Natürlichkeit und Artenvielfalt dagegen sucht man vielerorts vergeblich.

Dem setzt eine vergleichsweise junge Bewegung in der Gärtner-Community etwas entgegen: „Hortus“ (lateinisch für Garten). Sie wurde 2007 in Deutschland gegründet und hat sich rasch nach Österreich und in die Schweiz ausgedehnt. Ihre Gärten könnte man als „Archen Noahs für einheimische Tiere und Pflanzen“ bezeichnen: Orte, die bewusst Lebensraum schaffen – auch für selten gewordene Arten – und damit ein starkes Zeichen gegen das Artensterben setzen.
Um das zu erreichen, verfolgen Hortus-Gärtner einige grundlegende Prinzipien, die sich deutlich von der klassischen Gartenpraxis unterscheiden.
Während fruchtbarer Boden und Humusaufbau in der Landwirtschaft als erstrebenswert gelten, bemühen sich Hortus-Gärtner ganz bewusst um möglichst magere Böden. Nicht selten wird nährstoffreicher Mutterboden sogar LKW-weise abtransportiert und durch Sand, Schotter oder andere magere Substrate ersetzt.
Was zunächst widersprüchlich erscheint, folgt einer einfachen Naturbeobachtung: Gerade auf nährstoffarmen Standorten entsteht eine besonders hohe Artenvielfalt. Pflanzen müssen konkurrieren, Spezialisten setzen sich durch – und genau das schafft stabile, vielfältige Lebensgemeinschaften.
Im ersten Beitrag begegnen wir einem Hortus-Enthusiasten, dessen Garten vor allem Lebensraum für zum Teil sehr seltene Insekten bietet. Besonders eindrücklich ist, wie schnell sich spezialisierte Arten einstellen, sobald die Standortbedingungen stimmen.
🎥 Naturgarten Hortus Insectorum, Teil 2:
Im nächsten Beitrag erklärt derselbe Gärtner den Aufbau und die Bedeutung eines Trockenbeets in seinem insgesamt 6000 m² großen Hortus-Garten. Er zeigt, welche Erfolge bereits sichtbar sind – und warum Geduld dabei eine entscheidende Rolle spielt.
🎥 Trockenbeet im Hortus Statera
Und im dritten Beitrag begleiten wir den Moderator der Sendung „Gartenreisen“ bei seinem Besuch im Garten des Leipzigers Daniel Jakumeit, einem der prägenden Köpfe der deutschen Hortus-Gemeinschaft.
🎥 Ein Naturgarten bei Leipzig | ARD Garten
Feuchtbiotope zählen zu den artenreichsten Lebensräumen überhaupt. Wasser schafft Raum für Pflanzen wie Kalmus, Rohrkolben, Schilf, Mädesüß, Blutweiderich oder großblütiges Weideröschen. Gleichzeitig zieht es zahlreiche Tierarten an: Bergmolche, Teichfrösche sowie unzählige Insekten, darunter viele Libellenarten.
Schon kleine Wasserstellen können einen großen Unterschied machen. Der folgende Beitrag zeigt verschiedene Möglichkeiten – von der Mini-Teichschale über ein Sumpfbeet bis hin zur künstlichen Pfütze – und macht deutlich, dass es nicht viel Platz braucht, um wirksame Biotope zu schaffen.
Im anschließenden Video stellt ein Gärtner ein in den Boden versenktes Sumpfbeet in einer Mörtelwanne vor. Er erklärt Aufbau, Bepflanzung und zeigt, wie selbst ein mageres Feuchtbiotop zu einem ökologischen Hotspot werden kann.
🎥 Magersumpf im Hotspot – Hortus Naturmodule
Was in aufgeräumten Gärten meist als störend empfunden wird, ist für viele Tiere unverzichtbar: Totholz. Zahlreiche Käferarten, Pilze und Mikroorganismen sind auf abgestorbenes Holz angewiesen.
Im folgenden Beitrag stellt eine Hortus-Gärtnerin ihre Parzelle vor, die sie mit ganz unterschiedlichen Totholzmodulen gestaltet hat. Der Film zeigt anschaulich, wie vielfältig und zugleich ästhetisch Totholz im Garten eingesetzt werden kann.
🎥 Hortus Nucis – verschiedene Totholzmodule
Wer einen Garten besitzt und ein besonderes Faible für Käfer hat, findet in diesem Beitrag eine detaillierte Bauanleitung für einen Käferkeller. Enthält dieser auch Eichenholz, kann er sogar dem selten gewordenen Hirschkäfer eine Heimat bieten.
🎥 Käferkeller selber bauen – Hortus Naturmodule
Ein weiteres Erklärvideo zeigt anschaulich, wie ein sonniger, warmer und magerer Standort für Insekten angelegt wird – etwa in Form eines Steingartens. Es verdeutlicht noch einmal das zentrale Prinzip der Hortus-Bewegung: Magerkeit schafft Vielfalt.
🎥 Hortus Insectorum – Magerkeit schafft Vielfalt
Der Hortus-Gedanke zeigt, dass Gärten mehr sein können als gepflegte Kulisse. Sie können Haltung ausdrücken, Lebensräume zurückbringen und ein Gegengewicht zur fortschreitenden Verarmung unserer Landschaft bilden – ganz ohne Perfektion, dafür mit viel Beobachtung und Geduld.
Hier geht es zur Webseite des Hortus-Netzwerkes: Hortus
Auf der detaillierten Hortus-Karte sieht wo sich die Bewegung bereits umsetzt und um welche Projekte es sich handelt.
Autor: Andreas Monning