
Ein paar Zeilen, die leise erinnern, was uns lebendig hält.
Manchmal stolpert man über einen Text genau zur richtigen Zeit…
In diesem Jahr ist mir auf Instagram ein Beitrag von Paulo Coelho begegnet – und dieser soll nun hier wieder auftauchen. Ein paar Zeilen über die Liebe, über das Warten – und darüber, warum es manchmal wichtiger ist, offen zu bleiben, als Antworten zu erwarten.
Gerade in der stillen Zeit zwischen den Jahren, in den Rauhnächten und rund um Weihnachten, berühren diese Worte etwas Wesentliches.
Ich möchte sie hier mit euch teilen – und ein paar eigene Gedanken dazu.

**Das Leben ist zu kurz, um wichtige Worte wie
„Ich liebe dich“
in unseren Herzen einzuschließen.
Doch erwarte nicht immer, dieselben Worte zurückzubekommen.
Wir lieben, weil wir lieben müssen.
Denn sonst verliert die Liebe ihren Sinn
und die Sonne hört auf zu scheinen.
Eine Rose träumt davon, die Gesellschaft der Bienen zu genießen,
doch keine erscheint.
Die Sonne fragt:
„Bist du es nicht leid zu warten?“
„Doch“, antwortet die Rose,
„aber wenn ich meine Blüten schließe,
werde ich welken und sterben.“
Und dennoch:
selbst wenn die Liebe nicht erscheint,
bleiben wir offen für ihre Gegenwart.
Manchmal, wenn die Einsamkeit droht, alles zu erdrücken,
ist der einzige Weg des Widerstands,
weiterzulieben.**
~ Paulo Coelho, aus „Manuskript aus Accra“
Vielleicht ist das eine der größten Herausforderungen unseres Menschseins:
Zu lieben, ohne sicher zu sein, dass wir geliebt werden.
Doch zu lieben bedeutet auch, sich selbst zu lieben…
Die Rauhnächte gelten als Zeit des Innehaltens, des Rückblicks und der leisen Fragen. Was darf gehen? Was soll bleiben? Was tut mir gut? Und was nicht? Was nähren wir – und was lassen wir verkümmern?
Paulo Coelhos Rose entscheidet sich dafür, offen zu bleiben. Nicht aus Naivität, sondern aus Notwendigkeit. Weil sich Leben nur dort entfaltet, wo etwas nicht verschlossen wird.
Vielleicht ist das auch eine Einladung an uns:
Nicht härter zu werden, wenn wir warten.
Nicht zuzumachen, wenn etwas fehlt.
Sondern gerade dann offen zu bleiben – für Liebe, für Nähe, für Licht.
Denn manchmal ist Weiterlieben kein Gefühl,
sondern eine Entscheidung.
Und vielleicht die größte Freude, die wir uns selbst machen können.
In diesem Sinne:
Mögen diese Tage zwischen den Jahren euch daran erinnern,
dass Offenheit kein Risiko ist,
sondern eine Form von Mut.