″20 Sekunden Lektüre: Beleidi­gungen und deren Geschenk″ – Paulo Coelho

Autor: Gute Nachrichten am 23. Dezember 2018 

Zwei Jahre ist es nun schon her, als wir das letzte Mal eine Geschichte von Paulo Coelho hier für euch weitergegeben haben. Freuen uns, dass es endlich mal wieder so weit ist…

Bei der folgenden kleinen Geschichte handelt es sich um eine kurze Lektüre, die wie immer zum Nachdenken anregen soll. Der Text (Original: “20 sec reading: the gift of insults“) stammt vom Blog des Bestsellerautors und wurde am 15. November 2018 von Paulo Coelho veröffentlicht. Wir haben ihn für euch ins Deutsche übersetzt – viel Freude beim Lesen!

 

In der Nähe von Tokio lebte ein großer, heute in die Jahre gekommener Samurai, der sich entschied, jungen Menschen den Zen-Buddhismus zu lehren.

Eines Nachmittags kam ein Krieger – bekannt für seine völlige Skrupellosigkeit – dort an. Der junge und ungeduldige Krieger hatte noch nie einen Kampf verloren. Als er von dem alten Samurai und dessen Ruf hörte, war er gekommen, um diesen zu besiegen und seinen Ruhm zu steigern.

All seine Schüler waren gegen diese Idee, aber der alte Mann akzeptierte die Herausforderung.

So versammelten sich alle auf dem Stadtplatz, woraufhin der junge Mann begann den alten Meister zu beleidigen. Er warf ein paar Steine in seine Richtung, spuckte in sein Gesicht, rief jede nur erdenkliche Beleidigung aus – er beleidigte sogar seine Vorfahren.

Stundenlang tat er alles, um ihn zu provozieren, aber der alte Mann blieb unberührt. Am Ende des Nachmittags zog der ungestüme Krieger, der sich jetzt erschöpft und gedemütigt fühlte, hinfort.

Enttäuscht von der Tatsache, dass der Meister so viele Beleidigungen und Provokationen erhalten hatte, fragten die Schüler:

- Wie können Sie solche Demütigungen ertragen? Warum haben Sie Ihr Schwert nicht benutzt, obwohl Sie wussten, dass Sie den Kampf verlieren könnten, anstatt Ihre Feigheit vor uns allen zu zeigen?

- Wenn jemand mit einem Geschenk zu Euch kommt und Ihr es nicht annehmt, wem gehört das Geschenk dann? – fragte der Samurai.

- Demjenigen, der versucht hat es zu geben – antwortete einer seiner Schüler.

- Das gleiche gilt für Neid, Ärger und Beleidigungen – sagte der Meister.
"Wenn all dies nicht akzeptiert wird, gehört es weiterhin zu demjenigen, der es mit sich getragen hat."

 

In diesem Sinne, lasst euch auch an den Feiertagen nicht ärgern, bleibt gelassen und geht liebevoll mit euch selbst und miteinander um. Es wird tausendfach zu euch zurückkehren.

 

Quelle: paulocoelhoblog.com

Kategorien: Philosophie Rubriken: Frieden, Paulo Coelho
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