Hilfreiche Methode für Blinde – Echo-Ortung à la Fledermaus

Autor: Gute Nachrichten am 12. Juli 2013 

Eine eher unbekannte Methode wird derzeit blinden Kleinkindern gelernt, damit sie sich überall frei und eigenständig bewegen können. Hier ist die Rede von der Klicksonar- oder auch Echolokalisationsmethode.

Klicksonar, Echolokalisation, positive nachrichten
Auch in Deutschland lernen Kleinkinder Echolokalisation nach der Orientierungstechnik von Fledermäusen.
© Sabine Geißler / pixelio.de

Durch klickende Geräusche mit der Zunge entsteht je nach Umfeld ein erkennbares Echo, das einem blinden Menschen ermöglicht, seine Umgebung quasi durch das Hören "sehen" zu können. Abgeschaut hat man sich die Orientierungstechnik von den Fledermäusen. Entwickelt wurde die Methode von dem blinden Amerikaner Daniel Kish und sie findet nun auch in Deutschland erste Beachtung im Training mit sehbehinderten Kindern. Kish brachte sich die Technik als Kind selbst bei und schult Blinde und Lehrer weltweit in mehreren Ländern. Im Jahre 2011 stellte er die Echolokalisation das erste Mal in Deutschland vor. Trotzdem wissen hierzulande noch immer recht wenige Menschen von Kicksonar.

Der Kölner Mobilitätstrainer Klaus Mönkemeyer sagt, dass Klicksonar große Chancen für blinde Jungen und Mädchen biete und ihnen neue Möglichkeiten der Orientierung gebe. "Wenn Kinder die Technik bereits in der Frühförderung üben, fällt der Lernprozess mit wichtigen Entwicklungsphasen des Gehirns zusammen, das so von Anfang an lernt, sich einen Raum akustisch zu erschließen." Der Experte betont zudem, "Wir gehen davon aus: Je jünger man damit anfängt, desto besser – auch wenn es dazu noch keine Studien gibt." In den USA habe eine erst Untersuchung nachgewiesen, dass Echolokalisation Hirnareale aktiviere, die für die Orientierungsleistung zuständig sind. Das Verfahren mag zwar einfach erscheinen, doch müsse es methodisch strukturiert angeboten und systematisch erlernt werden.

Leider seien die Angebote für den ganz jungen Nachwuchs selten, darum sei das Lernprogramm in der Frühförderstelle der Kölner LVR-Severinschule in dieser Form bundesweit eine einmalige Sache, sagt Koordinatorin Maria Lieven. Das Programm steht Kindern ab zwei Jahren offen und wird bisher mit Spenden finanziert.

 

Übung macht den Meister

Ein vierjähriger blinder Junge namens Felix zum Beispiel hat zusammen mit 13 Kleinkindern an dem Pilotversuch teilgenommen. Nach anderthalb Jahren falle das Fazit durchweg positiv aus, erzählt Lieven. "Wir stehen mit den Kleinen noch am Anfang. Aber wir können sagen: Alle Kinder haben profitiert. Sie bekommen mehr Tempo und Sicherheit." In zehn Lernstunden werden den Kindern von Mönkemeyer die Basisfertigkeiten beigebracht und  zugleich auch Eltern, Heilpädagogen und Erzieher unterrichtet. Dann ist ständiges Üben angesagt, um die Fertigkeiten zu erweitern. Bei Bedarf geht das Training später auch unter Anleitung von Experten weiter.

Wenn man sich nun vorstellt, permanent mit der Zunge zu schnalzen – was eventuell der ein oder andere von uns gerne als Kind gemacht hat – der weiß, dass das schnell sehr anstrengend sein kann. Das Schnalzen soll zudem möglichst hoch und fest sein. Felix hat deshalb immer einen kleinen Spielzeug-Knackfrosch zur Unterstützung dabei. Seine Mutter Anja Weiß ist von Klicksonar überzeugt und erzählt, dass sich Felix sehr schnell und ohne Angst bewege und sich nicht häufiger als seine nicht-blinde fünfjährige Schwester stoßen würde. Auch seine räumliche Vorstellung hätte sich verbessert, so dass er sogar ein Lego-Haus mit mehreren Stockwerken, Türen und Fenstern gebaut habe, was eine enorme Leistung darstellt. Zudem fährt er daheim und in der Kita gerne ausgiebig unfallfrei Bobbycar. Frau Weiß hofft, dass das Verfahren sich mehr herumspricht und andernorts Schule macht.

"Es ist keine Methode, bei der man einfach den Schalter umlegen kann und dann funktioniert es sofort. Aber das Verfahren kann zu ganz tollen Orientierungsleistungen führen", sagt Mönkemeyer

Für viele blinde und sehbehinderte Menschen könnte die Methode eine enorme Hilfe darstellen und sie ist absolut erwähnenswert, damit sie sich auch hierzulande mehr und mehr herumspricht! 🙂

 

Quelle: de.nachrichten.yahoo.com

Herzlichen Dank an Anke für den Tipp! 🙂

Kategorien: Kultur Rubriken: Handicap, Hilfe, Kinder
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