Kerosin aus Algen statt aus Erdöl

Autor: Gute Nachrichten am 13. Juni 2013 

Leichtes Petroleum, besser bekannt unter dem Namen Kerosin, ist der Treibstoff der modernen Düsen- und Turboprop-Flugzeuge. Kerosin wird ebenso wie das klassische Benzin oder der Dieseltreibstoff aus Erdöl gewonnen.

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Wissenschaftler vom Forschungszentrum Jülich koordinieren ein Projekt zur Erforschung von nachhaltigem Flugtreibstoff. Das Schlagwort heißt: Algen statt Erdöl. Im Verbundprojekt AUFWIND arbeiten zwölf Partner aus Forschung und Industrie zusammen, um zu klären, ob sich Biomasse aus Mikroalgen eignet, als Basis für die Herstellung von Kerosin zu dienen. Es geht vor allen Dingen um die Klärung der wirtschaftlichen und ökologischen Machbarkeit des Prozesses. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz beteiligt sich daran mit 5,75 Millionen Euro.

Mikroalgen sind als Rohstofflieferanten für Biomasse hervorragend geeignet, denn sie besitzen einige Vorteile: Sie brauchen als Nahrung Kohlendioxid aus der Luft oder aus Emissionen der Industrie wie zum Beispiel Rauchgas von Kraftwerken. Weiterhin können sie Sonnenlicht direkt als Energiequelle nutzen und ihre Wachstumsgeschwindigkeit ist sehr hoch. Sie vermehren sich sieben- bis zehnmal so schnell wie Landpflanzen. Einige Algenarten haben einen hohen Anteil an fetten Ölen und diese sind für die Produktion von biogenem Sprit von Interesse.

Dass sich Algen als Kerosinproduzenten grundsätzlich eignen, wurde bereits nachgewiesen und es gab schon erfolgreiche Testflüge mit algen-basiertem Kerosin. Der Jülicher Wissenschaftler Dr. Andreas Müller vom Institut für Bio- und Geowissenschaften (IBG-2) ist Projektkoordinator bei AUFWIND und sagt: "Die Verfahren zur Herstellung des Biotreibstoffs müssen aber wesentlich effizienter werden. In AUFWIND ist es unser Ziel, Schritt für Schritt die Machbarkeit der gesamten Wertschöpfungskette zu analysieren, und zwar in wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht. Am Ende soll ein nachhaltiger Prozess stehen – angefangen bei der Produktion der Algen bis hin zum fertigen Produkt, einem biogenen Kraftstoff nach ASTM (American Society for Testing and Materials)-Standard."

Die Projektpartner müssen dabei unter anderem beachten, inwieweit die Züchtung der Algen in Konkurrenz zur klassischen Landwirtschaft steht. Man möchte vermeiden, dass man bei der Algenzucht die Produktion von Nahrungsmitteln negativ beeinflusst. Dr. Müller bemerkt weiter: "Außerdem müssen wir eine nachhaltige Energiezufuhr sichern, Transportwege und etablierte Infrastrukturen einkalkulieren und die Produkte müssen auf die bestehende und künftige Flugzeugflotte passen."

Hier macht sich eine Gruppe von Forschern über den Tellerrand der reinen Wissenschaft hinaus Gedanken, wie Dinge im wirtschaftlichen Alltag funktionieren können. Zum Wohle der Umwelt, der Menschen und nicht zuletzt der Luftfahrtindustrie, damit diese ihren selbst gesetzten Klimaschutzzielen näher kommen kann.

 

Quelle: fz-juelich.de

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