Chicago hat erste smogfressende Straße

Autor: Gute Nachrichten am 4. Juni 2013 

Chicago, am Südwestufer des Michigansees gelegen, ist mit fast drei Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt der USA. Dort arbeitet man zielstrebig an seinem Image, die grünste Stadt in den USA zu sein.

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Dazu passt, dass man kürzlich die "grünste Straße Amerikas" eröffnet hat. Man denkt dabei vielleicht an eine Allee, die durch eine parkähnliche Umgebung führt – aber weit gefehlt: die Straße wird tagtäglich von mehreren Tausend Lastwagen befahren und führt mitten durch ein Industriegebiet.

 

Was macht nun die Straße so ″grün″?

Es handelt sich dabei um eine Trasse, die mit einem Belag versehen ist, der in der Lage ist, Smog aufzufressen. Damit schützt man die Anwohner vor Atembeschwerden. Der Straßenbelag besteht aus einem sogenannten photokatalytischem Zement, der mit Titanoxid-Nanopartikel speziell beschichtet wurde.

Dahinter steckt eine photokatalytische Reaktion, die unter Sonneneinstrahlung die im pflanzlichen Chlorophyll stattfindende Photosynthese nachahmt. Damit wird die Straßenoberfläche in die Lage versetzt, Smog zu fressen, oder, wissenschaftlich ausgedrückt, Stickoxide aus der Luft einzufangen und in ungefährliche Salze zu verwandeln. Die Hersteller des Belages geben an, dass bis zu neunzig Prozent der Luftschadstoffe in verträgliche Bestandteile umgewandelt werden und damit erfolgreich verhindern, dass das gesundheitsschädliche Ozon entstehen kann. Entwickelt hat diesen Spezialbeton übrigens die Firma Italcementi aus Bergamo in Italien.

Die Stadtoberen von Chicago haben aber nicht nur einen neuartigen Belag aufgebracht, sondern am Straßenrand gibt es ebenfalls Innovationen: Wannenartige Vertiefungen nehmen 80 Prozent des Regenwassers auf, bevor dieses die Kanalisation erreicht. In Chicago hat man nämlich das Problem, dass es sehr häufig Starkregen gibt und dann das belastete Abwasser über den Michigansee durch den Mississippi in den Golf von Mexiko fließt.
Die Straßenbeleuchtung bezieht ihre Energie über Solar-Paneele und kleine Windräder, was in Chicago besonders sinnvoll ist, denn die Stadt hat in den USA den Beinamen "the windy city".
Weiterhin wurden Fahrradspuren angelegt – ungewöhnlich für die Vereinigten Staaten – um klimaneutrale Verkehrsmittel zu fördern.

Das Umwelt- und Nachhaltigkeitsreferat der Stadtverwaltung von Chicago sagt, dass das ganze Projekt etwa 21 Prozent weniger gekostet hat, als ein herkömmlicher Straßenbelag. Weiterhin glaubt man, dass die Betriebskosten ebenfalls niedriger sein werden als sonst üblich.

Ob der Belag auch in anderen Klimazonen so effektiv einzusetzen ist, muss erst noch geklärt werden, denn man braucht eine zuverlässige Sonneneinstrahlung, um gute Ergebnisse zu erzielen.

Aber der Weg führt auf jeden Fall in die richtige Richtung, denn der Straßenbelag verbessert die Luftqualität und ist billiger als normaler Asphalt. Man darf gespannt sein, wann die erste Smog-fressende Straße in Europa gebaut wird.

 

Quelle: inhabitat.com; green.wiwo.de

Kategorien: Umwelt Rubriken: Baumaterialien, Luft
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