Salomonen: Kinder und Jugendliche sorgen für Nahrungssicherheit

Autor: Gute Nachrichten am 16. April 2013 

Die Salomonen sind ein Inselstaat im Südwest-Pazifik östlich von Neu-Guinea. Wenn man das liest, denkt man unwillkürlich an Südsee, Palmen, kristallklares Wasser und Urlaub. Die Realität sieht aber ganz anders aus: nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sind 14 Prozent der Kinder auf den Salomonen unter fünf Jahren – das sind etwa 5.000 Kinder – untergewichtig. Ein Drittel der Kinder leidet unter Wachstumsstörungen.

Pazifik, Palmen spenden Schatten
© Petra Schmidt / pixelio.de

In Kindu, einem 5000-Seelendorf auf der Insel New Georgia, haben Kinder und Jugendliche im Alter zwischen neun und 18 Jahren, die von ihren Eltern im Stich gelassen wurden, das Heft in die Hand genommen und sorgen dafür, dass in ihrem Dorf die Versorgung mit Nahrungsmitteln gesichert ist. Sie gründeten quasi mit Buschmesser und Axt eine eigene Agrarkooperative.

Das Projekt hat sich in der Zwischenzeit zum größten Landwirtschaftsunternehmen der Küstenregion um die Hauptstadt Munda entwickelt. Es sichert die Nahrungsmittelversorgung des Landes und bietet den Jungen ein nachhaltiges Einkommen. Das ist besonders bemerkenswert, wenn man weiß, dass die Jungendarbeitslosigkeit auf den Salomonen bei 45 Prozent liegt.

Dem 23-jährigen Patrick Arathe spielte das Schicksal im Kindesalter schwer mit: als er neun Jahre alt war, verschwanden seine Eltern und er kam zu entfernten Verwandten. Das ist in der Region die Regel und nicht die Ausnahme, dass Eltern ihre Kinder im Stich lassen, weil sie diese nicht genügend ernähren können. Seitdem Arathe die höhere Schule abgeschlossen hat, kümmert er sich um Kinder und Jugendliche, die ebenfalls von ihren Eltern verlassen wurden. "Ich sah die Kinder und wusste, dass sie keine Eltern haben", sagt er. Im Juli 2012 brachte er 16 Jugendliche zusammen und sie begannen ihr kleines Agrarprojekt. Arathe erbte eine kleine Parzelle. Darauf pflanzen die Jugendlichen Bananen, Bohnen, Gurken, Kartoffeln, Kohl, Mais, Maniok, Papaya, Paprika, Tomaten und Wassermelonen an. "Ich hielt den Anbau für die beste Idee, weil es auf dem lokalen Markt nicht genug Gemüse gibt", begründet Arathe die Auswahl an verschiedenen Gemüsesorten.

In der Anfangsphase musste er die Jungen noch überzeugen, bis diese ihr Herz für die Landwirtschaft entdeckten. Einige unter ihnen möchten jetzt sogar nach dem Schulabschluss Bauern werden. Am späten Nachmittag, wenn die Hausaufgaben gemacht sind und die Sonne nicht mehr so stark vom Himmel brennt, gehen sie gemeinsam aufs Feld, um die Felder zu hegen und zu pflegen und um zu ernten. Ihre Ware verkaufen sie dann am nächsten Tag auf dem Markt.

Die Kaston Garden Association (KGA), eine Gesellschaft die Kleinbauern betreut und berät, hat Arathe und seiner Gruppe gezeigt, wie man die Kompostierung optimiert und wie man aus Chilischoten organische Schädlingsbekämpfungsmittel herstellt. Mary Timothy, eine KGA-Projektmitarbeiterin sagt dazu: "Wir haben der Gruppe Tipps für die Aufzucht von Gemüse sowie organische Anbaumethoden gegeben." Besser kann man wohl "Hilfe zur Selbsthilfe" nicht praktizieren.

Der Erfolg der Gruppe um Arathe steht außer Frage. Die Jungen verkaufen die frischen Produkte direkt an die Dorfgemeinschaft und zweimal pro Woche bekommen sie Großbestellungen von einem Krankenhaus und von vier Unternehmen auf der Insel. Somit erwirtschaftet die Agrarkooperative in einer Woche umgerechnet zwischen 600 und 1.300 US-Dollar. Bereits im Dezember hatten die Jungen genug Geld erwirtschaftet, um für sich selbst sorgen zu können und ihrer Ausbildung nachzugehen.

Ein großartiges Beispiel, das zeigt, wie Jugendliche in diesem armen Land ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, zu ihrem eigenen und zum Wohl der übrigen Bevölkerung.

Bilder der jungen Farmer findet ihr hier und hier.

 

Quelle: schattenblick.de; ipsnews.net

Kategorien: Erfolgsgeschichten Rubriken: Hilfe, Kinder
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