Warum der Mensch keine Angst vor dem Wolf zu haben braucht

Autor: Gute Nachrichten am 5. März 2013 

Wer kennt es nicht, das Märchen vom Rotkäppchen und dem bösen Wolf. Doch was steht eigentlich wirklich auf dem Speiseplan der Wölfe? Viele Menschen haben immer noch eine irrationale Angst davor, dass die wilden Vierbeiner auch sie anfallen könnten. Doch der Mensch steht jedenfalls nicht auf dessen Speiseplan und muss sich somit auch nicht fürchten.

Wolfsportrait, positive nachrichten,
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Untersuchungen von Kotproben der Wölfe in der Lausitz bestätigten nun, dass deren Hauptnahrung Hirsche, Rehe und Wildschweine sind. Auch Schafe sind nicht in Gefahr, solange sie durch Zäune oder Herdenschutzhunde geschützt sind, wie die Forscher des Senckenberg-Forschungsinstituts erklären.

Markus Bathen, NABU-Wolfsexperte sagt: "Der Ernährungsplan des Wolfes ist gut untersucht. Klar ist: Der Mensch gehört definitiv nicht zu seiner Beute. In den mehr als zwölf Jahren, in denen sich Menschen und Wölfe hierzulande die Wälder teilen, hat sich kein Wolf einem Menschen aggressiv genähert".
Mehr als 2000 Kotproben von Wölfen aus der sächsisch-brandenburgischen Lausitz untersuchten die Zoologen seit zehn Jahren in Görlitz. So stellten die Forscher fest, dass wilde Huftiere mehr als 96 Prozent der Beutetiere ausmachten. Schafe stehen nur im Notfall auf dem Speiseplan. Insgesamt macht deren Anteil weniger als ein Prozent aus. Bathen erklärt: "Solange Schafe gut geschützt sind, meiden Wölfe die Gefahr, mit Elektrozäunen oder Herdenschutzhunden in Kontakt zu kommen". Bereits Zäune mit einer Höhe von 90 Zentimetern würden den gewünschten Erfolg bringen, da Wölfe versuchen, Hindernisse zunächst zu untergraben. Es sei daher notwendig, auch in den neubesiedelten Wolfsgebieten, wie Niedersachsen und Schleswig-Holstein, einen konsequenten Herdenschutz – etwa nach sächsischem Vorbild –  aufzubauen.

Was wird sich für die Waldbesucher und Hundebesitzer ändern, wenn sie in einem Wald in dem Wölfe leben? "Wölfe sind äußerst zurückhaltend. Sie nehmen einen Menschen meist schon früh durch ihre feinen Sinne wahr und gehen ihm aus dem Weg. Junge Wölfe sind allerdings etwas unbedarfter – es ist gut möglich, dass sie länger brauchen, um eine Situation richtig einzuschätzen und sich zurückzuziehen", antwortet Bathen.

Die Devise heißt: Stehenbleiben statt weglaufen. "Begegnet man einem Wolf, sollte man keinesfalls weglaufen, sondern stehen bleiben und beobachten. Wer sich unwohl fühlt, kann einen Wolf leicht vertreiben, indem er ihn laut anspricht, in die Hände klatscht oder mit den Armen winkt. Und vor allem sollte man nicht versuchen, ihn anzufassen oder zu füttern.", so der Wolfexperte. Wenn man mit seinem Hund in einem bekannten Wolfsgebiet unterwegs ist, sollte man möglichst darauf achten, dass dieser nah am Menschen bleibt, da freilaufende Hunde von Wölfen als Reviereindringling angesehen und vertrieben werden könnten. Wenn der Hund nah beim Menschen bleibt, dann überträgt sich der vom Menschen ausgehende Schutz automatisch auf den Hund. So kann der Mensch auch mal seinen Vierbeiner Schutz bieten. 😉

Zwölf Jahre ist es nun her, dass der Wolf nach Deutschland zurückkehrte und dort bleiben darf. Nun hat das Tier auch bis in die nördlichen Bundesländer, wie Schleswig-Holstein, zurückgefunden, wo man Ende Juli 2012 einen Wolfsrüden im Kreis Segeberg gesichtet hatte. Insgesamt leben zurzeit 20 Rudel in der Bundesrepublik. Der NABU (Naturschutzbund Deutschland e. V.) schätzt, dass langfristig in allen Flächenbundesländern Wölfe (Canis lupus) vorkommen werden. Im Rahmen des Projektes "Willkommen Wolf" begleitet NABU die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland seit acht Jahren mit Informationen und Forschung.

 

Quelle: scinexx.de

Kategorien: Umwelt Rubriken: Tiere
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