Neue Genkenntnis eröffnet Chance auf Therapie von Kurzsichtigkeit

Autor: Gute Nachrichten am 14. Februar 2013 

Man weiß schon länger, dass Kurzsichtigkeit eine Fehlsichtigkeit ist, die in den Genen liegt. Nur in welchen Genen? Das hat jetzt ein internationales Forscherteam herausgefunden, die im Fachmagazin "Nature Genetics" darüber berichteten.

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© Linda Dahrmann / pixelio.de

Die Forscher suchten im Erbgut von mehr als 45.000 Menschen in dem sie 24 Genvarianten identifizieren konnten, die die Wahrscheinlichkeit für eine Kurzsichtigkeit deutlich erhöhen. Durch diesen Fund ist man eventuell in der Lage, eine Therapie für die bisher unheilbare Sehstörung zu entwickeln.

 

Wie entsteht Kurzsichtigkeit?

Die Sehstörung tritt ein, wenn der Augapfel in der Kindheit zu stark in die Länge wächst. Ist das der Fall, trifft das von der Augenlinse erzeugte Bild nicht mehr genau auf die Netzhaut, sondern liegt kurz davor. Man sieht also unscharf, weil die Sehsinneszellen der Retina nur noch ein verschwommenes Signal empfangen.

Chris Hammond vom King's College London und seine Kollegen sagen: "30 Prozent der Menschen in den westlichen Ländern und sogar bis zu 80 Prozent der Asiaten sind von der Kurzsichtigkeit betroffen". Kurzsichtigkeit sei somit eine der führenden Ursachen für Sehbehinderungen weltweit und die Zahl der Betroffenen würde in den nächsten Jahren weiter wachsen.

 

Mehr Genvarianten entdeckt

In erster Linie sei klar, dass Kurzsichtigkeit durch die Gene vererbbar ist. Auch wenn man inzwischen weiß, dass Umweltfaktoren die Fehlsichtigkeit verstärken können. Studien konnten nachweisen, dass Kinder in Städten, die sich viel in geschlossenen Räumen aufhalten, häufiger eine Brille tragen müssen als Kinder, die viel im Freien sind. Eine neuere Studie würde darauf hindeuten, dass der Einfluss des Tageslichts das übermäßige Wachstum des Augapfels zu bremsen scheint. Man vermutete schon früh eine erbliche Komponente als Ursache von Kurzsichtigkeit, da die Sehstörung oft gehäuft in Familien auftritt. Bisher wusste man nur von zwei Genen, die als potenzielle Auslöser in Frage kommen. Deren Wirkung allein reiche allerdings nicht aus, um diese Sehstörung zu verursachen, berichten die Forscher.

Um die genaue genetische Ursache der Kurzsichtigkeit zu finden, haben internationale Wissenschaftler das Erbgut von 37.382 Menschen europäischer Herkunft und von 8.376 Asiaten systematisch geprüft. Die Forscher untersuchten insgesamt 2,5 Millionen Genvarianten auf deren Verbindung zur Kurzsichtigkeit. An 24 Genorten wurden sie dann fündig und konnten daraus schließen, dass bei den Menschen, bei denen diese DNA-Bereiche verändert sind, ein zehnfach höheres Risiko besteht, an Kurzfristigkeit zu leiden, so die Forscher. Somit habe man zum ersten Mal die genetische Basis von Kurzsichtigkeit entdeckt.

 

Hoffnung auf Therapie-Möglichkeiten

Nach jetzigem Stand eröffnet das Wissen um die genetischen Auslöser auch neue Wege der Behandlung von Kurzsichtigkeit: Hammond erklärt: "Zurzeit wird die Kurzsichtigkeit durch Brillen oder Kontaktlinsen korrigiert, aber jetzt können wir auch andere Wege erkunden, um diese Sehstörung zu korrigieren oder ihr Fortschreiten zu verhindern". Bisher ist kein Heilmittel bekannt und es gibt kaum Möglichkeiten, dass man eine Verschlechterung der Augen bereits in jungen Jahren verhindert. Die Forscher sind daher sehr gespannt darauf, Mittel und Wege auf eine an der Wurzel ansetzende Therapie zu finden.

 

So wie es aussieht wird man wohl in Zukunft noch viel zu diesem Thema hören, was Betroffene durchaus hoffen lässt.

 

Quelle:  scinexx.de

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