Erste TV-Debatte – Kenianische Politiker wagen mehr Demokratie

Autor: Gute Nachrichten am 13. Februar 2013 

Der 11. Februar 2013: Der Papst tritt zurück, das größte Krokodil der Welt stirbt – zugegeben das erstere Ereignis deutlich relevanter als das letztere – neben diesen in deutschen Medien dominierenden Themen, gab es ein entscheidendes Ereignis in einem ostafrikanischen Land.

Mount Kenia, Afrika, TV-Debatte, positive nachrichten
Nationalflagge auf dem Mount Kenia
Claus Bünnagel / pixelio.de

Am Abend des vergangenen Montags geschah etwas Historisches in Kenia, möglicherweise in ganz Afrika. Zum ersten Mal nahmen Spitzenkandidaten der kommenden Präsidentschaftswahlen an einer öffentlichen TV-Debatte teil. In dieser über drei Stunden hinweg live im Fernsehen und im Radio sowie im Internet übertragenen Debatte, gaben 8 Präsidentschaftskandidaten ihr Debüt. Besonders nennenswert war hierbei auch die Teilnahme der einzigen Präsidentschaftskandidatin, Martha Karua.

Alle Kandidaten äußerten sich zu den wichtigen Themen des Landes und stellten sich den durchaus kritischen Fragen zweier Moderatoren. Fragen der Außenpolitik, Sicherheit, Bildung und Parteipolitik bildeten die Schwerpunkte dieses ersten Teils. Das Problem der Politisierung von ethnischen Gruppen und die Anklage des Internationalen Strafgerichtshofs (ICC) gegen kenianische Politiker, darunter einer der anwesenden Präsidentschaftskandidaten, Uhuru Kenyatta, waren besonders heikle Themen. Neben drei anderen prominenten Persönlichkeiten wird Kenyatta vom ICC vorgeworfen, einer der Drahtzieher der gewaltsamen Auseinandersetzungen zu sein, die im Jahre 2008 nach den letzten Präsidentschaftswahlen im Dezember 2007 das Land erschütterten.
Am 25. Februar 2013 findet der zweite Teil der Präsidentschaftsdebatte statt. Diese wird verstärkt die wirtschaftlichen Herausforderungen und die neue föderale Struktur des Landes in den Blick nehmen.

Fleißig und rege kommentiert wurde die Debatte unter anderem bei Twitter unter dem hashtag #KEDebate13 oder #Debate254, mitunter mit ironischem Unterton, siehe @cobbo3 oder @NonieMG.
Nicht zuletzt zeugt die sehr aufmerksame kenianische Twitter-Community davon, dass zumindest bei den Social Media affinen Gesellschaftsschichten das politische Interesse groß ist.

Die ausgestrahlte TV-Debatte zeigt indes, dass Kenia auf einem guten, wenn auch steinigen Weg zur demokratischen Konsolidierung ist. In den Worten von @cobbo3, einem ugandischen Journalisten, war das Beste an der Debatte nicht das, was gesagt wurde – denn dies war die übliche politische Rhetorik, vieles besser machen zu wollen. Es war vielmehr die Tatsache, dass sich Spitzenpolitiker zum ersten Mal der öffentlichen Debatte gestellt haben und dabei fair und respektvoll miteinander umgegangen sind.

Autor: Ida Esiteri

Quellen: elections.nation.co.ke; bbc.co.uk; twitter.com

 

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