Wirkstoff gegen das Elefantenmann-Syndrom

Autor: Gute Nachrichten am 28. Februar 2013 

Das Elefantenmann-Syndrom, medizinisch auch Elephantiasis-Syndrom genannt, ist eine Krankheit, die vor allen Dingen in den Tropen vorkommt. Dabei schwellen die Gliedmaßen oder die äußeren Geschlechtsorgane übermäßig an. Ursache hierfür sind Fadenwürmer, die häufig durch den Stich von Mücken in die Haut des Menschen übertragen werden.

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Elephantiasis in Herat/Afghanistan
© peretzp / flickr.com

Jetzt haben Wissenschaftler des Bonner Universitätsklinikums und der Uni Bonn einen neuen Wirkstoff gefunden, der diese Würmer abtöten kann. Dieser Stoff blockiert ein Enzym, das in Bakterien vorkommt, die diese Würmer zum Überleben brauchen. Dies wurde jetzt in der Fachzeitschrift "Chemistry & Biology" veröffentlicht.

Die schädlichen Fadenwürmer, auch Filarien genannt, sind die Verursacher eines Lymphstaus bei den erkrankten Menschen. Neben dem Elefantenmann-Syndrom gibt es weitere, von Fadenwürmern ausgelöste Krankheiten wie beispielsweise die lymphatische Filariose. Man schätzt, dass davon weltweit etwa 150 Millionen Menschen betroffen sind.

Christian Lentz, Doktorand am Institut für Medizinische Mikrobiologie der Uni Bonn sagt: "Gegenwärtig werden die Betroffenen mit Antiwurmmitteln behandelt, die allerdings nur Wurmlarven, nicht jedoch die langlebigen erwachsenen Würmer abtöten. Darüber hinaus werden die Filarien dagegen zunehmend resistent, weshalb die Gefahr besteht, dass die Behandlung in Zukunft nicht mehr wirkt."

Nun hat man in Bonn einen Wirkstoff gefunden, der die Fadenwürmer abtötet und den Patienten nicht schadet. Dabei hat man den Umstand, dass die Fadenwürmer  Bakterien der Gattung Wolbachia in sich tragen, die für sie überlebenswichtig sind, ausgenützt. Christian Lentz erklärt: "Werden diese Bakterien mit einem Wirkstoff abgetötet, sterben auch die Fadenwürmer."
Mithilfe von molekularbiologischen Methoden erkannten die Forscher, dass Würmer und Bakterien auf das Enzym "ALAD" angewiesen sind, das es in dieser Form beim Menschen nicht gibt. Nun musste man einen geeigneten Hemmstoff finden, damit dieses Enzym blockiert werden kann.

Forscher um den Biochemiker Prof. Dr. Michael Famulok am LIMES-Institut in Bonn testeten insgesamt 18.000 verschiedene Substanzen, mit dem Ziel, diejenigen zu finden, die das ALAD-Enzym eventuell blockieren könnten. Man fand schließlich wALADin1 als den geeigneten Wirkstoff. Prof. Famulok sagte hierzu: "Die Besonderheit ist, dass das ALAD in den Bakterien durch Magnesium-Ionen aktiviert wird, was wALADin1 jedoch verhindert. Im Menschen braucht dieses Enzym dagegen Zink, weshalb der Hemmstoff dort keinen Schaden anrichten kann."

Tests haben gezeigt, dass bei Anwendung des Hemmstoffs in hohen Dosen die Fadenwürmer innerhalb von zwei Wochen abgetötet wurden. Bei geringerer Dosierung wurden die Würmer immerhin geschwächt.

Also, es gibt eine große Hoffnung für Abermillionen von Kranken durch ein Medikament, das offenbar ohne schädliche Nebenwirkung für den Menschen ist – das hört sich sehr gut an.

 

Quelle: uni-bonn.de

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