Ameisen-Demokratie: Probleme lösen per Abstimmung

Autor: Gute Nachrichten am 12. Dezember 2012 

Ameisen arbeiten demokratisch zusammen: Wissenschaftler aus Arizona haben herausgefunden, wie Ameisen komplexe Probleme durch Abstimmung lösen. Sie haben zwar keine Königin, doch durch Gruppenabstimmungen treffen sie gemeinsam eine Entscheidung. So legen die Ameisen beispielsweise via Abstimmung fest, was ihr neues Zuhause wird. Für solche „Wahlen“ verwenden sie ein verblüffendes Verfahren.

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Über einen Umzug wird gemeinsam abgestimmt.
© Bernd Sterzl / pixelio.de

Die Ameise gehört zwar zu einer der stärksten Tiere dieser Welt, da sie das 20-fache ihres Körpergewichts tragen kann, doch das nadelspitzgroße Gehirn ist bei Entscheidungen einer einzelnen Ameise überfordert. Kein Problem, denn die Masse macht‘s und so entscheiden alle mit, wenn es kompliziert wird. Man vertraut also gegenseitig auf die Weisheit der Masse. Die Forscher der "Arizona State University" haben ein solches Verhalten am Beispiel eines Umzugs einer Ameisenkolonie untersucht.

Die untersuchten Ameisen der Sorte Temnothorax rugatulus bilden eine Ameisenkolonie von etwa ein paar hundert Insekten. Ein Umzug steht immer dann an, wenn die Witterung ungünstig wird, ein Tier auf das Nest tritt oder der Platz nicht mehr für alle reicht. Wenn einer dieser Faktoren eintritt, muss ein neues Heim gefunden werden. Die Kolonie lebt zwischen Steinen in amerikanischen oder auch europäischen Wäldern. Die Auswahl einer neuen Behausung ist riesig und gerade diese vielen Alternativen überfordern die einzelne Ameise. Zwar ist sie in der Lage, zwischen einem geeigneten und einem ungeeigneten Heim zu unterscheiden, aber nicht, wenn es um eine Auswahl von vier passenden und vier unpassenden Behausungen geht. Da sucht sich die einzelne Ameise lieber Rat bei ihren Artgenossen.
Die Masse macht’s: Zu 90 Prozent wählten die Insekten ein geeignetes Zuhause aus. Sie sind also fähig zur Abstimmung. Die Massenabstimmung trägt zudem dazu bei, dass die Wahl der neuen Behausung zu einem besseren Ergebnis führt.

 

Und so funktioniert die Abstimmung

Die Ameisen machen es natürlich nicht via Stimmzettel aber dafür setzen sie eine Duftmarke. Aus der Kolonie brechen die ersten Kundschafter auf und untersuchen mögliche neue Wohnorte. Wenn sie etwas Passendes finden, dann kehren sie zurück und locken ihre Artgenossen mit einem Pheromon zum möglichen neuen Zuhause. Die nächste Ameise inspiziert dann die eventuelle, neue Unterkunft. Hält sie sie für geeignet, geht sie genauso vor, wie die erste Ameise und lockt die nächste an, ansonsten kehrt sie einfach, ohne etwas zu machen, in den Ameisenstaat zurück. Hat ein Zuhause eine gewisse Anzahl an Ameisen, zieht letztlich die komplette Kolonie dort ein.

Vergleicht man dieses Vorgehen mit unserer menschlichen Gesellschaft, fallen einem schnell Parallelen auf: Nein wir wenden natürlich kein Pheromon zur Kommunikation an – dafür haben wir ja unseren Mund. Per Mundpropaganda verbreiten sich gute Geschäfte oder Restaurants wie ein Lauffeuer in der Stadt. Auch hier sind menschliche Kundschafter unterwegs und locken weitere Artgenossen bei Gefallen an und so weiter und so weiter.

 

Quelle: pm-magazin.de

Kategorien: Wissenschaft Rubriken: Tiere
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