Rating-Agenturen werden in der EU an die Kandare genommen

Autor: Gute Nachrichten am 29. November 2012 

In den letzten zwei Tagen war es Thema in allen Medien: Die Rating-Agenturen werden in der Europäischen Union in der Zukunft schärferen Regeln unterworfen. Darauf hat man sich in der Nacht zum Dienstag in dieser Woche in Brüssel geeinigt. Die Agenturen sollen für vorsätzliche oder grob fahrlässige Fehleinschätzungen in Haftung genommen werden können. Die Veröffentlichungen der Bewertung von einzelnen Staaten innerhalb der EU wird nur noch an drei festgelegten Terminen im Jahr und nur außerhalb der europäischen Börsenzeiten erlaubt sein, damit an den einzelnen Börsen keine erdrutschartigen Erschütterungen auftreten können, wie das bisher der Fall ist, wenn quasi aus dem Nichts eine negative Beurteilung eines Staates durch die Agenturen bekannt gegeben wird. So weit, so gut.

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© Rainer Sturm / pixelio.de

Viele interessanter ist es jedoch zu wissen, wer eigentlich hinter diesen Agenturen steckt. Dies ist zwar allgemein bekannt, wird aber von unseren Mainstream-Medien geflissentlich verschwiegen.

 

Wem gehören eigentlich die Rating-Agenturen?

Es gibt sehr viele solcher Agenturen, jedoch halten die drei großen, Fitch, Moody`s und Standard & Poors  fast neunzig Prozent der Marktanteile weltweit. Die kleinste unter den drei großen ist Fitch mit je einem Sitz in New York und London. Etwa 2300 Beschäftigte in mehr als 50 Ländern erwirtschaften einen Jahresumsatz von 545 Millionen Euro. Fitch gehört zu 60 Prozent der französischen Fimalac-Holding, die auch mit Renault und L `Oréal verbunden ist. Die restlichen 40 Prozent gehören dem US-amerikanischen Medienkonzern Hearst.
Die Nummer zwei ist Moody´s mit einem Umsatz von etwa zwei Milliarden Euro und 4.700 Mitarbeitern. Hauptaktionär ist  das Investmenthaus Berkshire Hathaway des Milliardärs Warren Buffett. Der Sitz ist in New York.
Unangefochten an erster Stelle steht Standard & Poor`s (S&P) mit einem Umsatz von etwa drei Milliarden Euro und 8.500 Beschäftigten. S&P gehört zur McGraw-Hill-Gruppe, einem der größten und einflussreichsten Medienunternehmen in den USA. Daneben zählen zahlreiche Investmentfonds und -häuser zu den Eigentümern. Der Hauptsitz ist natürlich – New York.

Das hört sich relativ harmlos an, solange man sich nicht die Frage stellt: "Wem gehört eigentlich McGraw Hill und Hearst?" McGraw Hill gehört zum Netzwerk der  größten institutionellen Spekulanten der Welt und der Wall Street, nämlich Black Rock, Capital World Investors, Fidelity, Vanguard, State Street und Morgan Stanley. Die hier aufgezählten Investmenthäuser sind ausnahmslos an jeder Firma beteiligt die im deutschen Aktienindex DAX gelistet ist! Ich überlasse es dem Leser zu hinterfragen, wem eigentlich der Medienkonzern Hearst gehört. Nur soviel: man findet die gleichen Namen wie bei McGraw Hill.

Man kann also bei den drei Marktführern in keinem Fall davon ausgehen, dass die Rating-Ergebnisse neutral und objektiv sind. Das wäre genau so, wenn eine Firma von sich selber sagt, "wir sind die besten auf dem Markt, das haben wir selbst eindeutig festgestellt".

 

Aus diesen Gründen ist es ein erster, wichtiger und überfälliger Schritt der EU, den Agenturen quasi "auf die Finger zu klopfen", so gut es nur geht.

 

Quelle: faz.net; nachdenkseiten.de

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