Kunstschnee: besser als sein Ruf

Autor: Gute Nachrichten am 27. November 2012 

Kunstschnee oder "Technischer Schnee", wie in die Fachwelt nennt, setzt seinen Siegeszug durch die Skigebiete in den Alpen unaufhaltbar fort. Insbesondere seitdem es immer häufiger Schneemangel in den Vorwintermonaten gibt, sind Schneekanonen oder immer mehr die Schneilanzen aus den Wintersportgebieten nicht mehr wegzudenken.

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Schneilanzen bei der Arbeit.
Bild-Quelle: metropolis2005 / pixelio.de

Seit die Schneekanonen ihren Weg aus den USA über Südtirol in den gesamten Alpenraum angetreten haben, reißt die Diskussion über eine mögliche Schädigung der Umwelt durch die Erzeugung des technischen Schnees nicht ab.
Das Schweizerische Lawinenforschungsinstitut SLF, auf dem Weißfluhjoch in Davos bringt nun mit einer ausführlichen Untersuchung eine gewisse Sachlichkeit in die Diskussion. An dieser Untersuchung haben Naturwissenschaftler, Regionalökonomen und Physiker teilgenommen und die verschiedenen Aspekte der technischen Beschneiung betrachtet.

 

Technische Beschneiung in der Schweiz

In der Schweiz können derzeit 36 Prozent der Pistenfläche künstlich beschneit werden. Im Nachbarland Österreich sind es 66 Prozent und in Südtirol, dem Pionierland bei der Kunstschneeerzeugung in den Alpen, nahezu 100 Prozent. Die Beschneiung wird in den nächsten Jahren noch weiter ausgebaut werden, denn man muss sich nur vor Augen halten, dass die Schneemengen in den Höhenlagen unterhalb von 1.300 Metern seit 1980 bereits deutlich abgenommen haben.

 

Regionalwirtschaftliche Bedeutung

Die Bergbahngesellschaften betrachten Beschneiungsanlagen als unverzichtbare Maßnahme, um die Skisaison zu sichern. Insbesondere auch, um das Weihnachtsgeschäft zu retten, das für viele tiefer liegende Skigebiete, die sich nicht auf das Ostergeschäft verlassen können, unentbehrlich ist. Eine Befragung unter Wintersportgästen hat gezeigt, dass die Gäste keine Orte mit besonderer Schneesicherheit bevorzugen, sondern schneesichere Pisten geradezu als eine Selbstverständlichkeit voraussetzen.

 

Ökologische Auswirkungen

Beschneiungsanlagen verbrauchen sehr viel Wasser. Dieses Wasser kommt zwar im Frühjahr, wenn die Sonne den Schnee wegtaut, wieder zurück, aber gerade in der kalten Jahreszeit sind die Wasserstände allgemein tiefer und man muss darauf achten, dass die Restwassermenge eingehalten wird. Die Landschaft Davos – also Davos und seine Nachbargemeinden –  versprüht etwa 21,5 Prozent des gesamten Wasserverbrauchs auf die Pisten. Beim Energieverbrauch sieht es allerdings sehr positiv aus. Die Davoser Hauptskigebiete Parsenn/Gotschna und Jakobshorn haben einen Stromverbrauch, der nur 0,6 Prozent des Gesamtstromverbrauchs in der Landschaft Davos ausmacht. Neben dem zunehmenden Ausbau der Beschneiungsanlagen kommt es auch zu einem weiteren Ausbau der Pisten. Hier müssen die Wintersportorte unbedingt darauf achten, dass die neuen Pistenstreifen sehr schnell mit dem geeigneten Saatgut wieder begrünt werden.

 

Energieeffizienz durch Innovation

Sehr viel Einsparungspotenzial beim Energieverbrauch liegt in der Weiterentwicklung der Beschneiungstechnik. Ein Team aus Forschern des SLF hat zusammen mit Partnern aus der Industrie und der Fachhochschule Nordwestschweiz einen neuen Kopf für Schneilanzen entwickelt, der wesentlich effizienter arbeitet als die bisher angewandte Technik.
Das Ergebnis der Forschungen kann sich sehen lassen: bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt kann man mehr Schnee mit besserer Qualität erzeugen und dabei den Energieverbrauch um bis zu 80 Prozent senken.

 

Ein halber Meter Pulverschnee, direkt von Frau Holle geliefert, ist wohl besser als jeder Kunstschnee, aber bevor man die Grasnarbe bei zu geringer Schneelage mit den Stahlkanten ramponiert, ist eine Kunstschneeunterlage allemal vernünftiger.

 

Quelle: slf.ch

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