Kolibris legen gerne mal den Rückwärtsgang ein

Autor: Gute Nachrichten am 28. September 2012 

Kolibris sind für viele Menschen faszinierende und bezaubernde Geschöpfe. Die herausstechenden Merkmale sind: ihr buntes Gefieder, ihr langer dünner Schnabel, mit dem sie den Nektar aus den Blüten saugen, und ihr enorm schneller Flügelschlag. Forscher haben jetzt entdeckt, dass die "Kunstflieger" auch gerne rückwärts fliegen, wobei die Frequenz ihres Flügelschlags noch einmal zunimmt.

Kolibri, Rueckwaertsflug
Rückwärts fliegen: Für Kolibris kein Problem.
Bild-Quelle: Reuters

Die beiden Wissenschaftler Sapir und Robert Dudley von der University of California in Berkeley (USA) untersuchten das Flugverhalten von fünf Annakolibris (Calypte anna) und berichteten darüber im "Journal of Experimental Biology". Die Vögel mussten dazu in einem Windkanal umherfliegen. Dabei stellte das Forscherteam fest, dass sich die ohnehin hohe Frequenz des Flügelschlags beim Rückwärtsfliegen noch weiter erhöhte. Das interessante dabei ist, dass diese Art zu fliegen die Annakolibris nicht mehr, sondern sogar weniger anstrengte, als bei ihrem bekannten Schwebeflug.

Aus den Beobachtungen geht hervor, dass die Tiere ihren Körper beim Rückwärtsfliegen aufrichteten und ihre Flügel mit 43,8 Hertz - anstelle von 39,7 Hertz - im Vorwärtsflug (1 Hertz ≙ eine Wiederholung pro Sekunde) bewegen. Die Forscher untersuchten zudem den Stoffwechsel der Tiere. Sapir betonte: "Wir erwarteten, dass wir hohe oder mittlere Stoffwechselwerte während des Rückwärtsfliegens bekommen würden". Doch auch hier überraschten die Tiere die Wissenschaftler, denn das Rückwärtsfliegen war für die Kolibris genauso anstrengend wie das Vorwärtsfliegen und sogar 20 Prozent energieeinsparender als das elegante Schweben.

Dass Kolibris den Rückwärtsgang einlegen, ist keine Seltenheit, denn sie tun dies wenn sie sich nach der Nahrungsaufnahme rückwärts von der Blüte entfernen, wie es auch Sapir beobachten konnte. Doch entsprechende Literatur zu diesem Thema gibt es kaum. Sapir sagte dazu, "Das war etwas überraschend, wenn man beachtet, dass sie es die ganze Zeit tun". Die "fliegenden Edelsteine" würden etwa alle zwei Minuten eine Blüte aufsuchen, so der Forscher.

Frühere Untersuchungen zeigten bereits, dass die Tiere nicht einmal heftige Regengüsse vom Fliegen abhalten können. Auch die erstaunlichen Sturzflüge der Männchen, die dabei durch das erzeugte Summen der Schwanzfedern die Weibchen bezirzen, macht sie alleine zu außergewöhnlichen Vögeln. Mich erinnern sie durch ihr ganzes Verhalten und ihre bestimmten Eigenschaften immer schon an Insekten. Auch Sapir sieht Parallelen und beschreibt die Tiere auch als "Insekten, die im Körper eines Vogels gefangen sind". Vielleicht könnte man sogar in Sachen Technik noch das ein oder andere von den Kunstfliegern lernen.

 

Quelle: spiegel.de

Kategorien: Wissenschaft Rubriken: Tiere
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