Kanadische Region Ontario steigt auf erneuerbare Energien um

Autor: Gute Nachrichten am 3. September 2012 

Die kanadische Provinz Ontario will von der Kohlestromversorgung weg. Dabei setzt man auch auf die Kraft der Niagarafälle. Derzeit bohrt der österreichische Baukonzern Strabag in hundert Meter Tiefe im Felsgestein der Niagarafälle einen Tunnel, der einen Durchmesser von 12,7 Metern haben wird und zehn Kilometer lang sein wird.

Niagarafaelle
Niagarafälle dienen der Stromerzeugung.
Bild-Quelle: Miroslaw / pixelio.de

Bernhard Mitis, Ingenieur bei Strabag, sagt zufrieden: "Wir sind im Zeitplan. In einem Jahr wird durch diesen Tunnel Wasser zur Stromerzeugung fließen, pro Sekunde 500 Kubikmeter. Dafür garantieren wir." Bernhard Mitis ist der Bauleiter dieses Projektes, das die Strabag im Auftrag der Provinz Ontario und des Stromkonzerns Ontario Power Generation (OPG) baut. Der Tunnel entnimmt dem Niagara-Fluss oberhalb der Niagarafälle Wasser. Dieses Wasser wird unter der Stadt Niagara Falls zum Sir-Adam-Beck-Kraftwerk geleitet. Die durch den Tunnel laufende Wassermenge wird pro Jahr 1,6 Milliarden Kilowattstunden Energie liefern und damit dem Strombedarf von 160.000 Haushalten decken.

Anders als in Deutschland liegt in Kanada die Verantwortung für die Energiepolitik bei den Provinzen. Die Hauptquellen für die Energieerzeugung in Kanada sind Wasser, Kernkraft, Kohle, Öl und Erdgas. Ähnlich wie in Deutschland wird die Rolle der erneuerbaren Energien immer wichtiger. Die Provinz Ontario will aus der Versorgung mit Kohlestrom aussteigen. Damit ist das Vorhaben an den Niagarafällen ein großer Schritt in Richtung hin zur "grünen, sauberen Energieversorgung", wie ein Vertreter der OPG argumentiert. "Das Niagaratunnelprojekt ist ein Beispiel für den Umbau des Elektrizitätssystems Ontarios. Wir sichern damit eine saubere, moderne, verlässliche und kostengünstige Energieversorgung",  erklärt der Energieminister von Ontario, Chris Bentley.

Um sich die Menge und die Geschwindigkeit des Wasserdurchlaufs im Tunnel besser vorstellen zu können, muss man sich vor Augen halten, das damit ein olympisches 50-Meter-Becken in wenigen Sekunden volllaufen würde. Ingenieur Mitis bemerkt zum Tunnel: "Der gesamte Wasserzufluss erfolgt durch Schwerkraft und Höhenunterschied. Der Tunnel wird so gebaut, dass er 90 Jahre wartungsfrei betrieben werden kann." Das Wasser fließt Tag für Tag, ohne Unterbrechung und bringt täglich einen Umsatz von 440.000 US-Dollar. Die Gesamtbaukosten belaufen sich auf 1,6 Milliarden Dollar. Im Juni 2013 soll das Projekt fertig gestellt sein.

Die Provinz Ontario macht sich die natürlichen Gegebenheiten vor Ort zunutze. Ohne große Eingriffe in die Natur schafft man es, eine nachhaltige und umweltverträgliche Energieversorgung für 160.000 Haushalte aufzubauen.

 

Quelle: handelsblatt.com

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