Virtuelle Kraftwerke – eine Lösung für permanente Energielieferung

Autor: Gute Nachrichten am 20. September 2012 

Die Bundesregierung will bis 2050 den Anteil von erneuerbaren Energien auf 80 Prozent bringen, das bedeutet, der Anteil des Ökostroms muss sich bis dahin verdreifachen. Einerseits sind die Fortschritte unübersehbar. Windenergie kann mittlerweile dank besserer Technik auch an schwierigen Standorten genutzt werden, Photovoltaik wird permanent preiswerter und bei der Biomasse steigt durch neue Vergasungstechniken die Effizienz kontinuierlich. Doch ein Nachteil der Wind- und Sonnenenergie lässt sich nicht wegdiskutieren: Sonne und Wind gibt es nicht ständig und somit sind diese beiden Energieerzeuger Schwankungen unterworfen und nicht grundlastfähig.

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Bild-Quelle: Rainer Sturm / pixelio.de

Hier versprechen virtuelle Kraftwerke eine Lösung. Diese bestehen aus vielen dezentralen Energieproduzenten, die über eine Steuerung miteinander verbunden sind. Fällt nun einer etwa wegen Dunkelheit oder Windstille aus, erhält ein anderer Erzeuger im Netzwerk das Startsignal. Auf diese Weise können auch private Betreiber von Blockheizkraftwerken (BHKW) oder Solaranlagen mit eingebunden werden.
Noch steht dieses System an Anfang seiner Entwicklung, unter anderem auch deswegen, weil hier keine staatliche Förderung greift. Trotzdem sind Experten optimistisch für die Zukunft. Professor Volker Quaschning aus Berlin sagt: "Das Thema kommt, denn alleine mit der Offshore-Windkraft, die die Bundesregierung bevorzugt einsetzen will, lässt sich die Energiewende nicht meistern." Seiner Meinung nach ist Offshore-Windstrom die teuerste Energieform und sie benötige auch teure Leitungen und große Speicher.

Die großen Energie- und Technologiekonzerne treiben die dezentralen Verbundlösungen voran. Hier sei die Firma Vattenfall genannt, die in Berlin und in Hamburg ein Netz von BHKWs  zu einem virtuellen Kraftwerk zusammenschaltet, um Schwankungen bei Wind- und Sonnenstrom ausgleichen zu können. Herrscht ein Überangebot von Energie, was an Sonnentagen mit viel Wind durchaus vorkommt, dann werden mit den Überschüssen Wärmepumpen angesteuert. Deren Wärme kann sofort genutzt oder für später gespeichert werden. Bis Ende 2013 wird man eine Gesamtkapazität von 200 Megawatt zusammengeschaltet haben. Diese Kapazität wird von Berlin aus gesteuert werden.
Siemens vernetzt in München Wasser- und Windkraftanlagen mit BHKWs und entwickelt automatische Regelungen für das Mittelspannungsnetz.
Das Fraunhoferinstitut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) in Kassel arbeitet intensiv an einem vom Bund geförderten  Forschungsprojekt "Kombikraftwerk". Man konnte bereits nachweisen, dass ein Verbund von Windturbinen mit 13 Megawatt (MW) Gesamtleistung, zehn MW Solar- und Biogasanlagen, sowie einem virtuell zugeschalteten Pumpspeicherkraftwerk, zum Ausgleich von Leistungsschwankungen, den kompletten Strombedarf von 10.000 Menschen abdecken kann.

Man muss dazu sagen, dass man hier erst am Anfang einer vielversprechenden Entwicklung steht. Ich als Laie sage, man sollte weg von zentralen, riesigen Kraftwerken und hin zu kleinen, regionalen Energieerzeugern, die dann intelligent vernetzt werden sollten, dann klappt es auch mit der "Energiewende", so wie sich die Politik das vorstellt.

 

Quelle: handelsblatt.com

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