Maden – besser als ihr Ruf

Autor: Gute Nachrichten am 22. August 2012 

David und Jason Drew sind Madenzüchter. In Südafrika wollen sie bald die erste Madenfabrik der Welt eröffnen. Das sind dann quasi Maden "Made in South Africa".

David Drew, Geschäftsführer von Agriprotein
Im Laboratorium: Geschäftsführer David Drew begutachtet die Soldatenfliegen
Bild-Quelle: Felix Seuffert

David Drew, ein in Südafrika lebender Brite, züchtet Maden in Millionenstückzahlen, getreu dem Motto je fetter, desto besser. Stellenbosch in Südafrika, circa 50 Kilometer von Kapstadt entfernt, ist Weinkennern wegen seiner Qualitätsweine bestens bekannt. Aber wer denkt bei Stellenbosch schon an Fliegen? Davon gibt es Abertausende auf dem agrarwissenschaftlichen Forschungsgelände der Uni Stellenbosch. David Drew sagt: "Die meisten Menschen ärgern sich über Fliegen, aber ihre Sprösslinge sind ungeheuer nützlich." Er meint damit die etwa zwölf Millimeter langen Larven der Stubenfliege, oder Musca Domestica, wie der Biologe sagt. Diese stecken voller Protein. David Drew hat mit seinem Bruder Jason daher das Unternehmen "Agriprotein" gegründet, um aus Maden alternatives Futter für Geflügel und Schweine zu produzieren. Das Brüderpaar denkt aber einen Schritt weiter, denn: "Bisher besteht ein beträchtlicher Teil unseres heutigen Tierfutters aus Fischmehl", sagt David Drew. Daraus ist eine milliardenschwere Industrie entstanden, mit fatalen Folgen für die Fischbestände in den Weltmeeren. Drew: "Wenn wir so weitermachen, brauchen wir 2050 doppelt so viele Ozeane, um den Bedarf einer schnell wachsenden Bevölkerung zu decken." Diese Entwicklung könnte aufgehalten werden, wenn an die Stelle von Fischmehl das Madenmehl treten könnte. Damit könnte man die Fischbestände in den Ozeanen wieder auf ihr normales Niveau bringen.

In Kürze soll die erste Madenfabrik in Südafrika starten, weitere plant man in Deutschland und in Großbritannien. Dabei soll jeder Betrieb mindestens 100 Tonnen Maden pro Tag produzieren. Die Larven haben, vom Proteingehalt abgesehen, noch einen weiteren Vorteil: Sie sind hervorragende Abfallverwerter. Lässt man sie auf einen Komposthaufen los, so fressen sich die Larven in nur 60 Stunden quasi dick und rund. Dann kommen die Agriprotein-Mitarbeiter zum Einsatz. Sie ernten die Maden, trocknen sie und mahlen sie dann zu einem Pulver, das optisch wie Instantkaffee aussieht. Dabei ist der Proteingehalt von Madenmehl höher als der von Fischmehl und der Preis im Vergleich günstiger.

Diese Eigenschaften reichen aus, um Maden für Futtermittelkonzerne und Bauern interessant zu machen. Aber die Larven können noch mehr: Der Projektleiter von "Agriprotein", Cobus Kotze - der Name ist wirklich reiner Zufall - verfüttert einmal pro Woche zu Forschungszwecken menschliche Fäkalien an die Maden. Dafür züchtet er eine weitere Fliegenart mit dem kriegerisch klingenden Namen "Schwarze Soldatenfliege", ein großer, schwarzer "Brummer". Deren Larven verwandeln die Wochenlieferung an menschlichem Kot in eine geruchslose Masse, die als Dünger geeignet ist und die Made selbst schmeckt den Hühnern ausgezeichnet. An einer bestimmten Stufe des Umwandlungsprozesses, so sagt Kotze, falle sogar Öl für die Biodiesel-Produktion an. Zu schön, um wahr zu sein? Wohl nicht, denn die "Bill Gates-Stiftung" hat von der Idee gehört und findet sie so gut, dass sie 350.000 Dollar zu dem Projekt beigesteuert hat. Und dass Bill Gates einen Riecher für interessante Entwicklungen hatte und hat, wird wohl niemand abstreiten.

 

Quelle: faz.net

Kategorien: Umwelt Rubriken: Tiere
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