Die Geschichte von Anna Bågenholm

Autor: Sillikina C. am 9. August 2012 

Anna Bågenholm, heute Ärztin in Tromsø, Norwegen, hält einen wenig nachahmenswerten Weltrekord: Sie erlitt nach einem Skiunfall den stärksten wissenschaftlich dokumentierten Fall von unfallbedingter Hypothermie (Unterkühlung), von dem sich jemals ein Mensch erholte.

Anna Bågenholm
Bild-Quelle: Anniken Haarind / sueddeutsche.de

Im Mai 1999 war sie mit zwei Arbeitskollegen auf Skiern unterwegs – alle drei waren Medizinstudenten und dazu sehr erfahrene Skifahrer. Anna stürzte in einen zugefrorenen Bach, und was zunächst wie ein lapidarer Unfall aussah – das Wasser war nur 70 Zentimeter tief – wurde schnell zum ernsthaften Notfall: Sie wurde durch die Strömung unter die Eisdecke gezogen und konnte von ihren beiden Kollegen nicht mehr befreit werden.
Fast eine Stunde versuchte sie, sich unter der Eisdecke hervorzukämpfen, doch vergeblich. Inzwischen war der Notfallhubschrauber auf dem Weg, inklusive schwerem Bergungsgerät.

Beim Eintreffen des Notfallteams war Anna bewusstlos und bis sie nach über einer Stunde Aufenthalt im eiskalten Wasser endlich mithilfe einer Motorsäge geborgen werden konnte, hatten Herzschlag und Gehirnaktivität schon ausgesetzt. Die Ärzte begannen sofort mit der Reanimation, hatten aber nicht viel Hoffnung – die Köpertemperatur war von durchschnittlichen 37°C auf nur noch 14,4°C abgekühlt.

Anna wurde in die Universitätsklinik von Tromsø eingeliefert, wo sie schon von einem Spezialistenteam erwartet wurde – die dort nach dem Motto "sie ist kalt und tot, und wir werden nicht aufhören, bis sie warm und nicht mehr tot ist" sofort intensive Maßnamen einleiteten. Zwischenzeitlich war ihre Körpertemperatur bis auf 13,7°C gesunken. So unterkühlt hat noch kein Mensch davor je überlebt – außer bei komplizierten Herzoperationen, wo derartige Unterkühlungen unter äußerst kontrollierten Bedingungen absichtlich herbeigeführt werden.

Annas Blut wurde aus dem Körper geleitet, mit Sauerstoff angereichert, erwärmt und wieder zurückgeleitet, um den Organismus ganz langsam wieder "aufzutauen" – und das Wunder geschah, etwa drei Stunden später setzte langsam der Herzschlag wieder ein!

Noch erstaunlicher und wunderbarer ist, dass Anna Bågenholm einige Tage später ohne bleibende Schäden wieder aus dem Koma erwachte. Obwohl die Rehabilitationsmaßnahmen mehrere Wochen dauerten, kann sie heute ganz normal ihrer Arbeit als Ärztin nachgehen.

Ihr Fall hat aber nicht nur ihr eigenes Leben berührt, sondern den Medizinern auch viele neue Erkenntnisse zum Umgang mit Unterkühlten beschert, so dass durch die erfolgreiche Reanimation von Anna Bågenholm Techniken verfeinert werden konnten, die jetzt weitere Leben retten.

Wunder gibt es also immer wieder – Anna Bågenholms Geschichte ist auf jeden Fall ein Beweis dafür, dass es auch in scheinbar aussichtslosen Situationen immer einen Funken Hoffnung gibt.

 

Autor: Sillikina C.

 

Quelle: wikipedia.org, zeit.de

 

Kategorien: Erfolgsgeschichten Rubriken: Wunder
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