Sonne arbeitet als Reinigungskraft

Autor: Gute Nachrichten am 20. Juli 2012 

Nein, das ist kein Scherz und es handelt sich auch nicht um Zauberei. Forscher vom Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik IST in Braunschweig haben eine Beschichtung entwickelt, die mithilfe der UV-Anteile des Sonnenlichts Oberflächen von selbst reinigt.

Material reinigt sich im Sonnenlicht selbst
Verdreckte und selbst durch bloßes Sonnenlicht gereinigte Armelehne eines Gartenstuhls
Bild-Quelle: Fraunhofer Gesellschaft

Wir kennen das Problem alle: Lässt man Gartenmöbel länger ungeschützt im Freien stehen, dann werden diese oft von einem schmierigen Film aus Algen, Moosen, Bakterien und Pilzen überzogen, der sich nur schwer entfernen lässt. Die Forscher vom Fraunhofer-Institut haben nun eine Kunststoff-Mixtur entwickelt, die Titandioxidmoleküle enthält. Die UV-Anteile im Sonnenlicht aktivieren diese Moleküle, die quasi katalytisch einen elektromechanischen Prozess in Gang setzen, der freie Radikale erzeugt. Diese feinen Radikale und weitere aktive Moleküle im Kunststoff zersetzen Bakterien und "Kollegen" auf den Gartenmöbeln. Sie zerstören zunächst die Zellwand und dringen dann in die Grundsubstanz der Zelle vor, wo sie dann die DNA der Bakterien schädigen. So weit die Theorie, doch wie sieht es in der Praxis aus? Wie gut funktionieren diese photokatalytischen Schichten?

Das wiederum haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart untersucht. "Wir haben beispielsweise photokatalytisch ausgerüstete Armlehnen von Gartenstühlen im freien getestet und sie mit solchen aus herkömmlichen Kunststoff verglichen", sagt Iris Trick, Gruppenleiterin am IGB. Dazu wurden die beschichteten und die unbeschichteten Armlehnen mit einer Mixtur aus verschiedenen Bakterien, Moosen, Algen und Pilzen besprüht. Dann wurden diese zwei Jahre lang Wind und Wetter ausgesetzt.

Das Ergebnis war überzeugend: Während sich die Schmutzschicht von den normalen Armlehen kaum entfernen ließ, waren die beschichteten Exemplare nach den zwei Jahren  noch weitestgehend weiß und sauber.

Die Möglichkeiten der Titanoxidmoleküle sind aber mit den besagten Armlehnen noch lange nicht ausgeschöpft. Man arbeitet an einem weiteren Fraunhofer-Institut bereits an Fassadenfarben für Häuser, die Titanoxid-Partikel enthalten. Somit kann der Hausanstrich über viele Jahre weitgehend sauber bleiben. Auch für Glasoberflächen, wie die eines Smartphones ist die Methode geeignet. Durch eine dünne Schicht aus Titanoxid verschwinden die Hautfette und Fingerabdrücke auf dem Display.

Eindrucksvoll, was die Forscher so alles entwickeln, noch eindrucksvoller ist wohl, zu was unsere liebe Sonne alles zu gebrauchen ist.

 

Quelle: Fraunhofer Gesellschaft, scinexx.de

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