Klein-Wasserkraftwerke schöpfen Strom aus der Strömung

Autor: Gute Nachrichten am 29. Juli 2012 

Die Kraft von fließenden Gewässern ist eine seit Jahrtausenden genutzte erneuerbare Energie. Bei Wasserkraftwerken denkt man heute an Stauseen mit hohen Betondämmen zur Regulierung der Wasserpegel und zur Erzeugung einer künstlichen Fallhöhe. Der gravierende Nachteil solcher Kraftwerke liegt darin, dass damit immer eine Zerstörung der Natur in der Umgebung der Stauseen einhergeht.

Smart-Hydro-Turbine im Wasser; Kleinwasserkraftwerk Peru
Diskret und umweltverträglich: Die Smart Hydro Power-Turbine im peruanischen Amazonas
Bild-Quelle: Smart Hydro Power GmbH

Doch nicht nur bei uns, sondern auch in der Dritten Welt steigt der Energiebedarf von Jahr zu Jahr. Wenn man dort, in den Entwicklungsländern, der Zerstörung der Natur wegen der Energiegewinnung einen Riegel vorschieben will, braucht man andere Lösungen, denn Flüsse sind in der Regel genügend vorhanden, man denke nur an den Amazonas in Brasilien.

Karl Kolmsee, studierter Agrarwissenschaftler, ist Gründer und Chef der Firma Smart Hydro Power mit Sitz am Starnberger See. Seine Firma hat ein Kleinkraftwerk entwickelt, das nicht viel braucht: einen Fluss von zwei Meter Mindesttiefe und zwei Meter Breite mit einer Fließgeschwindigkeit zwischen einem und dreieinhalb Meter pro Sekunde. Die von der Firma Smart Hydro Power entwickelte Turbine verwandelt die Energie der Strömung mit maximal 230 Rotorumdrehungen pro Minute in eine bis fünf Kilowattstunden elektrischen Strom. Mit der erzielbaren Maximalleistung lässt sich in den Entwicklungsländern ein ganzes Dorf mit Strom versorgen.

Kleinwasserkraftwerk Installation Elbe, Smart-Hydro-Turbine
Das Kleinwasserkraftwerk ist leicht zu montieren und auch in kleineren Flüssen einsetzbar.
Bild-Quelle: Smart Hydro Power GmbH

Kolmsee kennt auf Grund seiner beruflichen Vergangenheit die entlegensten Winkel Südamerikas und Asiens, in denen, wenn überhaupt, stinkende Dieselaggregate für Elektrizität sorgen. Im Dorf Marisol in Peru, mitten im Regenwald am Ufer des Flusses Huayabamba, arbeiten keine Dieselgeneratoren mehr. Hier schwimmt seit 2011 eine Smart-Hydro-Turbine aus der ersten Serie. Die Idee kam von einem einheimischen Farmer, der auch gleich noch forderte, dass so ein Kraftwerk nicht teurer als ein Kleinwagen sein dürfe, zerlegbar und tragbar sein solle und leicht zu bedienen sein müsste. Nach Anfangsschwierigkeiten laufen die Kraftwerke heute einwandfrei. Unter optimalen Bedingungen kostet die mit dieser Anlage erzeugte Kilowattstunde acht Cent. Beim Dieselgenerator sind es zwischen 22 und 41 Cent.

In Peru will die Regierung bis 2020 über sieben Millionen Menschen mit Strom versorgen. Hier ist natürlich die dezentrale Energieversorgung mit Kleinstkraftwerken sinnvoll.

Jedoch ist das Prinzip nicht nur für arme Länder interessant. Im Sankt-Lorenz-Strom in Kanada arbeitet eine von der Firma RER Hydro und der Uni Stuttgart entwickelte Variante, die man als größere "Schwester" der Smart-Hydro-Turbine bezeichnen kann und die eine Leistung von 110 Kilowattstunden hat.
Seit 2010 produziert die Turbine pannenfrei 900.000 Kilowattstunden im Jahr und versorgt damit 300 Haushalte.

Für die Smart-Hydro-Variante würden sich in Deutschland auf Grund der Fließgeschwindigkeit die Donau und der Oberrhein eignen. In Bingen plant die Firma Metropolstrom-NW noch für dieses Jahr einen Energiepark mit dreißig Kleinstkraftwerken aus der Produktion von Karl Kolmsee. Bis 2013 sollen es 300 Turbinen werden. Der Strom soll ins Netz eingespeist oder flussnahen Campingplätzen zur Verfügung gestellt werden.

Eine im Regenwald in Peru geborene Idee könnte somit ihren Beitrag zur Energiewende in Deutschland liefern.

 

Quelle: geo.de

Kategorien: Umwelt Rubriken: Alternative Energien, Regenwald, Wasser
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